Julian Tiefenbacher: Ich finde man sollte immer vom eigenen Stil ausgehen und auch auf diesen hören!

Name: Julian Tiefenbacher
Beruf: Redakteur bei ELLE DECORATION 
Alter: 29 
Wohnort: München 
Instagram: julian_deepriver

Aller Anfang ist schwer – wie bist du zur ELLE Decoration Germany gekommen? Hast du schon immer etwas mit Inneneinrichtung machen wollen?

Design und Interior liegen bei mir in der Familie: meine Mutter kommt aus der Mode-Branche und mein Vater ist Architekt. Es wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt und ich bin damit aufgewachsen. Nach dem Abitur habe ich Kunstgeschichte und Germanistik studiert. Und hier viele Kurse zur Design-Geschichte und Innen-Architektur besucht. So wurde mein Interesse immer größer später auch in diesem Bereich zu arbeiten. Mich hat einfach immer – bis heute – interessiert wie Menschen leben und wohnen. Sei es persönlich oder abgebildet in Interior-Magazinen. Der Rest kam dann pe à peu vor drei Jahren: vom Praktikanten, zum Jung-Redakteur und schließlich Redakteur.

In wie fern unterscheiden sich Interiorblogger zu klassischen Journalisten im Bereich Innendesign? Denkst du, dass Blogger mehr Freiheiten haben, sich kreativ auszuleben?

Ich denke sowohl Journalisten als auch Interior-Blogger wollen ihre Leser inspirieren. Und auch ein bisschen aus dem Alltag holen und neue Trends und Ideen vorstellen. Ich denke klassische Magazin-Journalisten nehmen ihre Leser dabei aber mehr an der Hand und erklären mehr. Viele Blogs bilden für mich einfach nur ab, was auch sehr schön sein kann. Dann muss es aber gut kuratiert und unverwechselbar sein. Und das sehe ich leider häufig nicht, vieles ist sehr ähnlich. Eine größere, individuelle Freiheit kann es also – anscheinend – kaum geben. Vielleicht liegt es auch an der Zeit: Blogger sind prinzipiell schneller als Magazine, die sich einfach länger mit einem Thema beschäftigen. Und eine gute Recherche und Auswahl braucht für mich einfach Zeit.

Was sind die häufigsten Einrichtungsfehler, die du immer wieder siehst? Und wie kann man diese vermeiden?

Einer der größten und leider auch häufigsten: kleine Wohnungen zu voll zu stellen und alles was man besitzt zu “präsentieren“. Und mit zu großen und massiven Stücken zu befüllen. So wirkt jeder Raum optisch noch kleiner. Und auch nicht mehr ausgewählt, sondern beliebig. Auch bei Licht machen viele den Fehler und setzen nur auf Deckenbeleuchtung und die Räume wirken dann ungemütlich wie im Krankenhaus. Ich mag mehrere, verteilte Lichtquellen lieber. So schafft man mehr Struktur. Auch bei Farben gehen viele den vermeintlich sicheren Weg und setzen per se immer auf Weiß. Dabei sehen dunklere Räume mit wenig Licht wesentlich einladender in dunkelgrau oder –blau aus. Grundsätzlich finde ich es schade, wie in der Mode auch, dass viele nicht auf Qualität setzen. Lieber weniger, dafür exklusiver, gerade bei zeitlosen Accessoires. Das spricht mich mehr an.

Hat sich dein persönlicher Einrichtungsstil verändert, seitdem du für die ELLE Decoration tätig bist?

Ja und Nein. Ich mag schon immer den Mix aus Alt und Neu, von Vintage mit modernen Entwürfen, den wir auch bei ELLE DECORATION viel zeigen. Denn Stil-Brüche finde ich grundsätzlich spannender als monochrome Looks. Früher habe ich auf Flohmärkten viel nach Midcentury-Design gesucht, heute eher nach Art-déco-Stücken der Zwanziger Jahre. Ich liebe den eleganten Stil dieser Zeit, von den Filmen, der Musik und Mode einfach alles. Und kombiniere dazu gerne Boho-Stücke, wie einen alten Perser- Teppich, den ich gerade von meiner Oma geerbt habe, oder Asiatika. Was sich so definitiv geändert hat: ich bin weniger poppig-bunt als früher und mag inzwischen eher gedeckte Töne, von Flaschengrün bis rauchigem Grau.

Wie oft stellst du bei dir daheim um? Worauf achtest du dabei?

Ich stelle immer wieder um, aber eher Details, so bleibt es lebendig und wird optisch nicht langweilig. Gerade bei kleineren Stillleben variiere ich gerne, neue Bücher kommen hinzu etc.. Und ganz wichtig sind mir Blumen, das ganze Jahr über.

Hast du bestimmte Lieblingsteile in deiner Wohnung? Wenn ja, steckt eine Geschichte dahinter?

Ich sammele alte Vasen und jede hat ihre eigene Geschichte und besondere Form. Am liebsten mag ich die aus grauem Rauchglas auf meinem Fensterbrett. Wenn die Sonne durchscheint, entstehen Schatten an der Wand. Jedes Mal wenn ich auf Reisen bin, versuche ich dort auf den Flohmarkt zu gehen und eventuell etwas zu finden. Das sind für mich die schönsten Souvenirs. Ich war gerade für ein paar Tage in China und hier in Peking auf dem Flohmarkt und habe altes Tee-Porzellan in Blau-Weiß gekauft. Das mag ich gerade sehr gerne. Mein neuestes Lieblingsstück sind Tisch und Stühle in einem Seladongrün aus den Zwanziger Jahren.

Denkst du, dass Interior Design – genau wie Mode – im Zeitalter des Internets schnelllebiger ist als früher?

Schnelllebiger nicht wirklich, der junge skandinavische Stil hält sich z.B. schon ziemlich lang. Im Interior entwickeln sich im Vergleich zur Mode neue Tendenzen viel langsamer, setzen sich erst allmählich durch und werden schließlich oft eher Klassiker, wie gerade Samt. Bei Einrichtungen gibt es für mich kein In und Out im engeren Sinn. Man sollte immer über den individuellen Stil gehen. Außer bei einzelnen Motiven, die plötzlich überall inflationär auftauchen. Wie den Flamingo, die Ananas oder den Kaktus: Sie alle kann ich wirklich nicht mehr sehen.

Worin siehst du Vor- und Nachteile im Flohmarkt- bzw. Onlineshopping für Vintage Möbel und Deko Artikel?

Flohmärkte haben für mich eine ganz besondere Atmosphäre und dabei geht es um’s Entdecken, weniger um Suchen, das mache ich hier nie gezielt. Zu Stücken, die ich hier gefunden habe, habe ich auch einen stärkeren Bezug später. Der Verkäufer erzählt mir eine Geschichte dazu (ob sie stimmt oder nicht ist egal) und man trägt seinen neuen Schatz später stolz nach Hause. Online Vintage zu kaufen ist für mich sehr viel orientierter und konzentrierter. Und so auch leichter. Auch wenn man im Nirgendwo lebt.

Was sind in deinen Augen die Einrichtungstrends des Moments? Welche machst du mit? Und welche findest du furchtbar?

Kompakte Kleinmöbel, wie Cocktailsessel oder Zweisitzer-Sofas, sind schon länger aktuell und werden es glaube ich in Zeiten von kleinen Wohnungen auch bleiben. Viele Interior-Designer setzen heute auf besondere Solitäre mit Statement-Charakter, die auch ein bisschen skulptural oder absurd sein dürfen. Darum viel Freiraum und Schlichteres in Kombination. So bekommt wohnen Galerie-Charakter. Und wird wieder individueller. 
Nach leuchtendem Messing kommt jetzt viel angelaufenes Silber oder oxidiertes Bronze, matter und weniger strahlend. Und die Zeiten von Minimalismus zu Tisch sind vorbei. Es darf wieder üppig à la Gucci dekoriert werden. Vorbild sind flämische Barock-Stillleben, auch bei Blumen.

Wie schafft man es, aktuelle Interior- und Dekotrends mit dem eigenen Stil zu vereinen?

Ich finde man sollte immer vom eigenen Stil ausgehen und auch auf diesen hören. Letztendlich soll es ja auch – trotz Trend-Akzenten – dieser bleiben. Ich würde deshalb auch immer auf Accessoires setzen, sie verändern den Look schnell.

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