Livia Auer: Für mich persönlich spielt Fair Fashion eine immer wichtigere Rolle

Name: Livia Auer
Beruf: Studentin, Bloggerin
Alter: 22
Wohnort: Frankfurt am Main
Blog: livia-auer
Instagram: livia_auer
Facebook: liviaauer
Pinterest: livia_auer

Du bist nun schon eine Weile als Modebloggerin tätig (28 Tausend Follower auf Instagram), was hat dich dazu inspiriert mit dem Bloggen zu starten? Machst du diese Arbeit hauptberuflich?

Ich habe ehrlich gesagt schon immer gewusst, dass ich eine andere Verbindung zur Mode habe, als alle meine Freundinnen und meine Familie. Während meiner Schulzeit hatte meine Heimatstadt Wolfsburg glücklicherweise hin und wieder Workshops im Bereich Kostümdesign im Angebot, die ich dann immer gern in Anspruch genommen habe. Anfänglich wollte ich also Mode designen, mich hat dann aber immer mehr die „andere“ Seite begeistert – also das Schreiben über Mode, das Styling in Magazinen und die Fotografie. Für einen eigenen Modeblog war ich damals aber noch viel zu schüchtern, und habe mich wohler in der Rolle der Leserin gefühlt, obwohl ein eigener Mode-Blog immer mein heimliches Ziel war. Nach dem Abi wollte ich aber erstmal eine akademische Basis schaffen, und habe mich für Germanistik und Kunstgeschichte immatrikuliert. Beide Fächer sind auch sehr interessant, es gibt aber kaum Berührungspunkte mit der Mode und selten einen Anspruch an Kreativität, also dem, was ich eigentlich liebe. Die Konsequenz war also der Blog, der meine Art Ventil und kreativer Ausgleich zum Studium geworden ist, und ohne den ich auch wirklich nicht mehr leben könnte. Ich kann aber nicht von ihm leben, also mache ich es nicht hauptberuflich, sondern bis zu meinem Masterabschluss auf jeden Fall neben meinem Studium – und dann, mal sehen!

Welche Tricks gibt es, um eine erfolgreiche Modebloggerin zu werden? Auf was achtest du?

Auch wenn das sehr abgedroschen klingt, ist es das Wichtigste sich selbst nicht zu verlieren. Inmitten der vielen Trends und unzählig schönen Blogs, die ja bereits da sind, und gefühlt auch immer mehr werden, macht es einfach keinen Sinn dem Erfolg der Anderen nachzueifern, sich zu vergleichen und unnötigen Konkurrenzdruck aufzubauen. Habt Spaß, liebt, was ihr tut, denn der Erfolg sollte nur eine nette Nebensache sein. Ich bin überzeugt davon, dass die Leser merken, wie viel Liebe und Leidenschaft im eigenen Content stecken, und dies mit ihrer Unterstützung honorieren. Qualität ist langfristig gesehen also extrem wichtig. Außerdem muss man sich von den bereits existierenden Blogs abgrenzen, und das geht eben am besten, indem man man selbst ist.

Die Modebranche gilt als shiny und glitzernd, steht dabei nicht gerade für ökologisches Bewusstsein. – Was bedeutet Fair Fashion für dich und was glaubst du, welche Barrieren es in der Modebranche in Bezug auf nachhaltige Entwicklung gibt? Gibt es Lösungen für diese Barrieren/Probleme?

Für mich persönlich spielt Fair Fashion eine immer wichtigere Rolle. Allerdings beginnt die Fairness neben der Auswahl von umweltfreundlichen Materialien und Produktionsverfahren auch bei gerechten Arbeitsbedingungen. Humanität muss mit dem Wandel zur nachhaltigen Mode einhergehen, bzw. immer noch an erster Stelle stehen. Es ist wichtig, dass große Brands und Influencer ihre Position und ihre Stimme nutzen, um auf das Thema weiterhin und verstärkt aufmerksam zu machen, und die Veränderung zu einem bewussteren Konsumverhalten (weg vom Massenkonsum) beschleunigen. Das größte Problem ist meiner Meinung nach, dass Unternehmen viel zu viel Angst vor ihren Konsumenten haben, und finanzielle Konsequenzen durch massive Veränderungen fürchten. Es wird leider noch zu kapitalistisch gedacht, daher bleibt der Egoismus die wohl größte Barriere. Denn falls Zara & Co. einfach die Regeln neu bestimmen würden, müssten sich die Konsumenten fügen. Das erscheint mir allerdings etwas utopisch und zu naiv, also bleibt nur noch die Politik, die für entsprechende Auflagen sorgen könnte.

Worauf kommt es deiner Meinung nach an, wenn wir von gutem Style sprechen und was würdest du als dein Styling-Geheimnis bezeichnen?

Ein guter Stil ist immer subjektiv, hängt aber auch mit Trends und dem Zeitgeist zusammen. Meiner Meinung nach ist es in erster Linie wichtig, sich selbst immer besser kennenzulernen, auch in physischer Sicht. Manche Teile sehen an anderen Frauen großartig aus, dafür stehen einem selbst andere Dinge besonders gut. Auf diese sollte man sich konzentrieren, sich niemals verkleiden, trotzdem viel ausprobieren und stets in dem wohlfühlen, was man trägt. Meinen Stil würde ich als nicht zu wild einorden, eher feminin aber nicht romantisch. Eigentlich liebe ich es reduziert, manchmal dürfen es aber auch ausgefallenere Sachen sein. Bei Jeans und Röcken achte ich immer auf eine hohe Taille, das zaubert mir etwas längere Beine, und meinen Schmuck halte ich dezent und filigran. Oversized Mäntel und Blazer jeder Art sind eine große Schwäche von mir, und bei Schuhen und Taschen versuche ich in zeitlose und hochwertige Modelle zu investieren. Ich spiele einfach gerne mit den Trends, und integriere sie in meinen Stil, ein Geheimnis gibt es da also gar nicht.

Was kann durch/mit Street Style kommuniziert werden?

Mit Street Style kann so vieles ausgesagt werden. Mit seinen persönlichen Looks kann man seine Ansichten, Einstellungen, Gefühle und Zugehörigkeit/Abgrenzung zu bestimmten Gruppen und Stilen offenbaren. Allerdings kann man diese auch nur vortäuschen, sich besonders konservativ kleiden, um einen gewissen Grad an Intellekt auszudrücken, sich aber auch rockig-chic kleiden, ohne auch nur einen richtigen Rocksong in seiner Playlist zu haben. Mode ist also eine große Spielwiese, Scheinwelt und Street Styles sind kurze Momentaufnahmen, durch welche mit einem gewissen zeitlichen Abstand so vieles herausgelesen werden kann. Sie sind auf ihre Art eine Reflexion der Stimmung der Gesellschaft, der persönlichen Einstellung und des Sinns für Ästhetik.

Was ist deine Strategie, um als Blogger erfolgreich zu bleiben?

Das meiste habe ich ja schon in Frage 2 gesagt. Meine Strategie ist aber einfach: Spaß und Leidenschaft. Das Bloggen ist mein Hobby, das wird es auch immer bleiben, selbst wenn es irgendwann einmal zu meinem Beruf werden sollte. Engagement ergibt sich daraus wie von selbst, und das gehört eben auch dazu. Einen Blog zu haben, bedeutet viel Arbeit, man muss bereit sein viel zu lernen und Verantwortung für alles zu übernehmen. Hingabe und Einsatz sind absolute Voraussetzungen, um dieser Art von Selbstständigkeit gerecht zu werden. Du bist dein eigener Boss, aber auch dein eigenes Model und Content-Team.

Wie bewertest du die Rolle von Mode-Bloggern und Instagram für die Relevanz einer Marke heutzutage?

Besonders in Deutschland werden viele Unternehmen zunehmend auf die Relevanz von Bloggern und Influencern aufmerksam, was lange leider nicht der Fall war. Aus meiner Sicht befindet sie sich also derzeit auf einem steigenden Ast. Allerdings sollte die Auswahl von passenden Kooperationspartnern noch weiter optimiert werden. Viele Unternehmen und Agenturen greifen auf die immer gleichen Blogger zurück, das Hauptkriterium bleibt dabei die faktische Reichweite in Zahlen. Allerdings beachten sie dabei nicht, dass eine Zusammenarbeit mit hochwertigen aber etwas kleineren Blogs, die genau ihre Zielgruppe bedienen, viel mehr Sinn für Blogger/Instagrammer und die Marke ergeben würde. Die Relevanz ist also da, wird aber noch nicht richtig genutzt, was aber widerum Hoffnung für die Zukunft macht.

Was hältst du von den neuen Models der Stunde, den „Instagirls“ Cara Delevigne, Karlie Kloss, Gigi Hadid und Kendall Jenner? Wem folgst du auf Instagram?

Ich glaube, ich folge allen. Sie sind die Supermodels unserer Zeit, dazu gehört eben auch, dass sie die aktuelle Lebensweise mit Social Media bedienen können. Ich bewundere ihre harte Arbeit und ihren Erfolg. Es ist aber auch klar, dass sie ganz andere Voraussetzungen für ihren Start hatten, als andere Models. Mit einem derartigen finanziellen und medienrelevanten Background lässt es sich etwas „leichter“ hart an dem eigenen Erfolg arbeiten. Trotzdem verstehen sie es unter enormem Druck relevant und gefragt zu bleiben, was ich mir alles andere als einfach vorstelle.

„Mode beeinflusst die Kultur“. Deine Meinung dazu?

Auf jeden Fall! Denken wir uns doch mal in die Zeit vor Coco Chanel zurück, als Corsagen das Leben der Frauen enorm beeinträchtigt haben. Nachdem diese aus der Mode verbannt wurden, Frauen anfingen weiter geschnittene Kleider zu tragen und sich die Haare kurz zu schneiden, stand dies im engen Zusammenhang der aufkommenden Feministinnen-Bewegung um 1900. Das Frauenbild änderte sich rapide, weil sich die Frauen ihres eigenen Wertes und ihrer eigenen Intelligenz immer mehr bewusst wurden. Sie trieben auf einmal Sport, wollten Freiheit und Gleichheit, studieren, wählen, Karriere machen. All das spiegelt sich auch in der Mode wieder. Auch heutzutage empfinde ich die Rückgriffe aus verschiedenen Stilen der 70er, 80er und 90er als bedeutend. Vielleicht sind wir zu unsicher geworden, um der Medienflut und der damit einhergehenden Überforderung gerecht zu werden, und feiern aus Gründen der Nostalgie immer wieder Revivals. Vielleicht sind wir aber auch noch nicht bereits für geschlechtsneutrale und futuristische Mode. Vielleicht ist es auch beides. Fest steht jedoch, dass die Stile aus den vergangenen Jahrzehnten uns Aussagen, Meinungen und in gewisser Weise auch Sicherheit verschaffen. Unsere Mode spiegelt also unsere kulturelle Umgebung wider.

Was ist dein Beauty-Trick (v.a. bei Reisen oder nach langen Nächten)? Wie sieht Dein Outfit aus, wenn du reist?

Eigentlich versuche ich meinen Schlafrhythmus so gut es geht konstant beizubehalten. Im Winter versuche ich jeden Tag um 8 Uhr aufzustehen, im Sommer früher. Außerdem trinke ich kaum Alkohol, und versuche mich so gut es geht gesund zu ernähren, was mein Beauty-Trick Nummer 1 ist. Falls ich aber doch ein bisschen mehr Wein als sonst getrunken habe und sehr spät nach Hause komme, schminke ich mich trotzdem immer erst ab und trinke noch ausreichend Wasser bevor ich ins Bett gehe – da gibt es keine Ausnahme. Am Morgen danach (auch wenn ich verreise), reinige ich mein Gesicht wie gewohnt, schließe es aber mit ein paar Spritzern kühlerem Wasser ab und lass diese auf meiner Haut lufttrocknen. Das gibt mir einen richtigen Frische-Kick, bevor ich meine Haut mit Moisturizer und Öl versorge. Danach gibt es einen Smoothie, der reich an Antioxidantien ist. Meine Reiseoutfits sind dann ziemlich unspektakulär, aber eines müssen sie sein: bequem. Wie genau es dann aussieht, hängt natürlich auch von der Destination und Jahreszeit ab. Aber eine bequeme Jeans, ein gemütlicher Sweater, eine Sonnenbrille und ein Schal sollten eigentlich nie fehlen.

Wann bezeichnest du einen Tag als gelungen?

Ich würde fast jeden Tag als gelungen bezeichnen. Es ist ein Tag deines Lebens, den du genutzt hast, wie es dir möglich war. Natürlich gibt es auch Tage, an denen ich wenig bis gar nicht produktiv bin, Filme ansehe, esse und sonst nichts tue, aber selbst diese Tage sind meiner Ansicht nach keine vertanen Tage. Ich bin zwar katholisch getauft, trotzdem nicht besonders religiös, aber im Buddhismus gibt es den Gedanken, dass man sich jeden Tag darüber bewusst werden muss, dass das Leben heute oder morgen enden könnte. Man muss seine Endlichkeit einfach akzeptieren und sich nicht zu wichtig nehmen. Das versuche ich so gut es geht zu verinnerlichen, ohne dass ich dabei einen besonderen Druck verspüre jeden Tag exorbitante Dinge erleben zu wollen. Natürlich habe ich noch Wünsche und Träume, die ich mir versuche zu erfüllen, und die einen besonders gelungenen Tag auszeichnen. Dieser Gedanke äußert sich aber viel mehr in Dankbarkeit für kleine Dinge, selbst gegenüber einer DVD und einem Marmeladenbrot.

Was war dein größtes Erfolgserlebnis?

Mein größtes Erfolgserlebnis ist eigentlich, dass ich das machen darf, was ich möchte. Ich habe die Freiheit über mein eigenes Leben zu entscheiden, diese Freiheit haben so viele Menschen selbst heutzutage nicht. Im Rahmen des Bloggens darf ich immer wieder unglaublich tolle und inspirierende Menschen kennenlernen, die in mir selbst so viel Neues anregen. Es ist natürlich besonders toll, wenn Brands auf dich zukommen, die du sowieso schon liebst, aber jedes positive Feedback von meinen Kooperationspartnern ist ein Erfolg, und auch unterstützende und lobende Kommentare von meinen Followern sind das. Zugegeben, das klingt schon etwas kitschig, aber gute Arbeit zu machen, während man mit Herzblut tut, was man möchte, ist doch im Grunde der Inbegriff von Erfolg, oder vielmehr Glück.

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