INTERVIEW MIT AENKYYY

Aenkyyy im Talk über ihre Taschenkollektion

Du hast vor einem Jahr Dein Label „Aenkyyy“ gegründet. Wie kam es dazu?

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Mir war schon relativ früh klar, daß ich Modedesign studieren wollte und in einem kreativen Beruf arbeiten möchte. Während des Studiums und auch später in meiner recht kurzen Festanstellung als Designerin merkte ich schnell, dass sich meine Vorstellungen stark von der Realität unterschieden. Ich wollte selber entwickeln, kreativ wirken können und auch im Bereich Produktion Dinge ändern und realisieren können. Kurzerhand entschloss ich mich, gegen meine ersten Vorsätze, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und gründete mein erstes Label. Nach über 5 lehrreichen Jahren, einigen Rückschlägen und Erlerntem wollte ich es nochmal wagen und meine gesammelten Erfahrungen und Kontakte in ein einem neuen Projekt verwirklichen. Gerade meine vielen Reisen nach Indien haben mir den Schritt extrem erleichtert. Mir wurde immer klarer das ich mit Vorurteilen aufräumen möchte und durch mein Label in der Lage bin, zu Unterstützen und Normen festlegen zu können und aufzuzeigen, das Wirtschaftlichkeit, ein faires Miteinander nicht ausschließt, sondern sogar stärken kann! So enstand Aenkyyy.

Was macht Deine Taschenkollektion so besonders?

Aenkyyy Taschen sind eine Mischung aus Funktionalität und Fashion. Jede Tasche wirkt durch die Natürlichkeit des Leders unterschiedlich und lässt die Tasche reifen und entwickelt sich täglich weiter. Für mich sind Taschen wie ein privates, kleines Universum, ein Freund fürs Leben. Und mit diesem Vorsatz entwickle und designe ich vom Material, bis hin zum Innenleben und Farbe. Dazu gehören Annehmlichkeiten wie abnehmbare Schultergurte (mit versteckter Befestigung), Trolleyhalter auf der Rückseite für angenehmes Reisen und dem nachtleuchtenden Aenkyyy- Logo.
Zusätzlich  stammt das verwendete Leder aus der Fleischindustrie und wird nach der besten Selektion ausgewählt und ökologisch wertvoll gegerbt und verarbeitet.
Und unser Highlight: die nachtleuchtende Aenkyyy Party Kollektion sowie die originale, abgestempelte Briefmarke in jeder Tasche. Eine Taschenkollektion ist erst dann komplett wenn das ganze System zusammenpasst: Fashion, Funktionalität, Fairness, Qualität, Umweltschutz und der Respekt allen Beteiligten gegenüber.
Daher unserer Philosophie: Spirit, Passion, Fashion!

Was waren die Momente, in denen Du während Deiner Karriere frustriert warst?

Oh, da gab es so einige! Aller Anfang ist schwer und als Inhaberin eines Labels findet man sich schnell in der Position eines gehobenen Tante Emma Ladens wieder. Denn letztendlich ist man für alles zuständig, bis genügend Budget für Angestellte oder fachliche Unterstützung da ist. Und die eigentliche Leidenschaft fürs Design kommt oftmals viel zu kurz. Buchhaltung, Logistik, juristische Fragen, Verträge, Steuern, Zoll, Produktion, Vertrieb, Kundenbetreuung, Events etc. fordern alle Aufmerksamkeit und lassen einen die eigenen Grenzen oft erkennen.
Dazu kommen viele Nachtschichten, sehr wenig Freizeit und Privatleben. Und man muß lernen mit Rückschlägen zurecht zu kommen.
Aber das alles steckt man dann letztendlich doch (gerne) ein, für das eine große Ziel, den großen Traum!

 

Und welche sind die Momente, in denen Du sicher warst, dass Du diesen und keinen anderen Job machen möchtest?

Es gibt unglaubliche viele und vor allem intensive Momente, in denen ich nichts mehr als Dankbarkeit und Glück empfinde!
Dazu gehören meine Reisen, Shootings, Modenschauen, glückliche Gesichter über ihre neue Tasche und natürlich wenn ich in Indien ankomme und sehe, daß ich etwas bewegen kann. Und dann der Moment wenn ich die fertigen Produkte in den Händen halte und sich das gesamte Team freut. Aenkyyy ist eben keine One-(wo)men show und das liebe ich!
Im März waren wir mit VOX von “auf und davon” in Indien unterwegs und ich konnte die faire Produktion und alle Beteiligten vorstellen und auch meine Philosophie erläutern, dass eben kein Land pauschal schlecht ist, sondern es darauf ankommt was wir fordern bzw. suchen.
Und dann natürlich das wahnsinns Team um Aenkyyy herum, die Unterstützung und der Glaube der mir zuteil wird. Das ist ein unglaubliches Geschenk!

Warum ist Modedesign für Dich ein Traumberuf?

Produkte zu entwickeln, die Menschen in ihrem Alltag begleiten, ist einfach eine irre spannende Sache! Es ist eine große Herausforderung und gleichzeitiger Ansporn an Materialien, Formen und neuen Ideen zu arbeiten, bis das richtige dabei heraus kommt, seine Zielgruppe kennen zu lernen und die eigene Marke und Philosophie aufzubauen und etablieren. Mein Beruf ist sehr vielseitig, ich kann mich selbst verwirklichen und werde jeden Tag aufs neue gefordert!

Inwiefern ist München für Dich eine Modestadt?

Letztendlich ist für mich jede Großstadt Modestadt, da jede Stadt ihren eigenen Geist, Flair und Stil hat. Für mich präsentiert München einen klassischen, international Stil. Aber zu viel sollte man sich hier nicht trauen, da wäre dann doch eher Berlin die richtige Metropole. Für mich ist München allerdings nicht nur Heimat sondern auch stilsichere Stadt mit großem Herz.

Wie hat sich Dein Look im Laufe Deiner Karriere verändert?

Gute Frage! Ich denke, wie jeder kreative Mensch habe ich Höhen und Tiefen erlebt. Zu Beginn meine Studiums war ich eher “basic” gekleidet, bis es immer bunter und verrückter wurde. Mit dem Beginn meiner Selbstständigkeit, bin ich dann wieder etwas ruhiger geworden. Ehrlich gesagt auch aus Zeitmangel, meine Leidenschaft für Schönes und Kunstvolle ist aber ungebrochen. Ich denke ich nehme mich einfach selber nicht mehr so wichtig, mein Baby Aenkyyy steht jetzt im Fokus.

Apropos: Deine persönliche It-Bag ist welche?

Das ist sehr schwer zu sagen, da eine Tasche ein Outfit oder eine Gelegenheit abrundet. Je nach Situation, Saison, Stimmung und Farbe sollte eine Tasche sich dem Moment perfekt anpassen. Meine persönliche Aenkyyy It-bag ist “Atra” oder der Weekender “Max” aus der neuen Premier-Kollektion. Mein klarer Favorit in Sachen Funktionalität und Style sind die im dunklen leuchtenden Innentaschen von Aenkyyy. In vielen Farben und Größen erhältlich, als Clutch oder Innentasche: Nie wieder lange Suche in der Tasche!

 

Welche Materialien benutzt Du hauptsächlich?

Ich arbeite hauptsächlich mit Leder, da es kein natürlicheres Material gibt, welches sich so dem Alltag und den Gegebenheiten anpasst und dabei immer schöner wird. Hierbei achte ich auf ökologische Nachhaltigkeit und Qualität.

Was für einen Stellenwert hat für Dich Qualität auf dem heutigen Mode-Markt, wenn man bedenkt, dass der Verkaufs-Rhythmus immer schneller wird?

Heutzutage ist der Markt überschwemmt mit Produkten zu Dumping Preisen und schnelllebigen Produkten. Im starken Kontrast hierzu stehen hochpreise Marken und Labels. Oftmals leider ohne klare Transparenz und Kommunikation zum Kunden. Gerade in diesen Zeiten suchen allerdings immer mehr Konsumenten Qualität und eigene Identifikation mit ihren Produkten, Trend stetig wachsend.
Genau diesen Trend möchte ich unterstützen und Qualität und Nachhaltigkeit klar umsetzen und kommunizieren. Denn billig heißt nicht gleich billig und teuer nicht gleich teuer. Qualität wird sich letztendlich auf lange Sicht durchsetzen, also ist durchhalten angesagt!

 

Gibt es Labels oder Designer, die Du zu Deinen Vorbildern zählst?

Für mich gibt es überall schöne Dinge zu entdecken, ob es im Museum, bei der Bahnfahrt, auf Reisen oder bei einem Spaziergang ist. Daher habe ich mich letztendlich immer offen gehalten und suche meine Inspirationen an den unterschiedlichsten Orten und Trends. „Etro“ war schon immer mein Favorit in Sachen Stil, aber letztendlich haben auch viele andere Designer wunderschöne Stile und Kollektionen zu zeigen.

Wie haben Dich Deine vielen Reisen nach Indien persönlich verändert?

Sehr!!! Ich war anfänglich ängstlich und auch nicht verfestigt in meinen Anschauungen. In Indien habe ich Menschlichkeit, Kontraste, Freundschaft, Farben, Sinneswahrnehmungen und den Lauf des Schicksals erst kennen gelernt. In Indien habe ich auch gelernt nicht mehr zu jammern und für seine Idee richtig zu brennen. Vom Orangenverkäufer, Schuhbandverkäufer bis hin zum Firmenbesitzer werden die Dinge mit Leidenschaft in Perfektion und Dankbarkeit verrichtet.
Übrigens lernt man in Indien auch ruhiger und entspannter zu werden, tatsächlich lösen sich viele Dinge mit Ruhe und Gelassenheit einfacher oder manchmal sogar von allein.
Die Kultur und Vereinigung der verschiedensten Religionen sollte uns ein Beispiel sein, wie auch Menschen willkommen zu heißen. Ich wurde bei meinen vielen Reisen bis jetzt von arm und reich gleichermaßen willkommen geheißen und habe darüber hinaus viel über Gestik und Mimik gelernt. Das Vorurteil Inder können nicht “nein” sagen ist Blödsinn. Erst wenn man die Kultur kennt und auch Interesse hat sich ein Bild zu verschaffen, wird man ein “nein” klar deuten können.

Wie und wo hast Du Deine ersten Kleidungsstücke produzieren lassen?

Meine ersten Kleidungsstücke habe ich in Ungarn produzieren lassen, bis mir klar wurde, dass ich im Bereich Accessoires besser aufgehoben bin. Ich wollte einen Begleiter für viele Jahre kreieren und kein saisonales Kleidungsstück. So habe ich angefangen nach geeigneten Produzenten zu suchen und bin dann 2011 das erste mal nach Indien gereist, auf der Suche nach Handwerk und nicht nach Dumping Preisen.

Du produzierst in Indien, worauf achtest Du bei der Auswahl der Produzenten?

A: Eine wichtige Frage! Ich achte auf faire Bezahlungen, ausgebildete Mitarbeiter, saubere Arbeitsplätze, die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeiten,  Versorgung der Familien und Verständnis. Weiterhin achte ich auf umweltschonende Produktion, Wasseraufbereitung, ausnahmslos keine Kinderarbeit, klimatisierte Räume, Feuerschutz und eine nach EU-Normen zertifizierte Auszeichnung (u.a. TÜV).
Aenkyyy Taschen sind zu 98% ein handwerkliches Produkt. Nur wenn es den Mitarbeitern gut geht, es klare Regelungen gibt, und die Arbeit auch Spaß macht, kann ein Produkt erst qualitativ überzeugend und eine langfristige Zusammenarbeit möglich werden.

Du hast an der ESMOD München studiert. Was war das Wichtigste, was Du im Studium gelernt hast, was für Deinen späteren Job wirklich relevant war? ?

Das Studium hat uns die Basics wie Technisches Zeichnen, Kollektionsentwicklung, Schnitterstellung, Nähen, Kunstgeschichte und Business Englisch näher gebracht. Und vor allem: Zeitdruck! Alles wichtige Themen um den Start in der Branche im Ansatz zu ermöglichen. Leider fehlten damals BWL oder rechtliche orientierte Fächer, aber letztendlich bedeutet Selbstständigkeit sowieso sich jeden Tags aufs neue weiter zu entwickeln und zu lernen. So wird man dann eben irgendwann sogar zum Website “Programmierer”, Grafiker  und Logistiker…

Wie war Deine Vorstellung vom Arbeitsmarkt zu Studienbeginn? Wie hat sie sich in der Zwischenzeit relativiert?

Ehrlich gesagt liegen Welten zwischen meiner Vorstellung von Studienbeginn und dem hier und jetzt. Alleine der Arbeitsmarkt ist dermaßen überfüllt, daß man kaum einen Fuß in die Tür eines renommierten Unternehmens bekommt. Und sollte man die Chance bekommen, sind kreative Verwirklichung und Gehalt weit von “gut” entfernt…Das hat mich damals sehr ernüchtert. Daher kam auch der Gedanke mich selbständig zu machen. Klar hatte ich damals noch mehr Freizeit und ein sicheres Gehalt, aber ich wollte mehr für meine Zukunft. Es ist wirklich wichtig sich selbst vor Studienbeginn ganz genau zu hinterfragen was man sich von seinem zukünftigen beruflichen Alltag wünscht und wo man Prioritäten setzt. Denn ein Studium zu absolvieren und der tatsächliche Beruf sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Welche berufliche Perspektive oder Zukunft wünscht Du Dir für  Aenkyyy und auch persönlich?

Für Aenkyyy wünsche ich mir stetiges, sicheres Wachstum und ein gleichbleibend engagiertes und faires Team. Echtes soziales Engagement mit purer Fashion zu kombinieren und die Welt ein wenig schöner und besser machen, Tag für Tag. Mein großer Traum ist es Aenkyyy in  renommierten Geschäften zu sehen und die Philosophie Aenkyyy’s weiter zu erzählen und stetig reifen zu lassen. Und letztendlich: Aenkyyy irgendwann meinen Enkeln und Urenkeln zu vermachen :)

 

Letzte Frage: Wen möchtest Du unbedingt persönlich mal interviewen und was wäre Deine erste Frage?

Für mich haben alle Mensch spannendes zu erzählen, denn jeder hat seine eigene Lebensgeschichte. Aber ich würde unglaublich gerne den Dalai Lama interviewen, seine Ruhe und Gelassenheit aufsaugen und mir Lebenstipps geben lassen. Ansonsten würde ich gerne mit Lionel Ritchie “all night long” singen!


CATCHYS QUICK QUESTIONS

Kopf oder Bauch? ?

Bauch!!

Kaschmir oder Seide?

Kaschmir

London oder Paris?

Paris

Curry oder Pasta?

beides

Frühling oder Herbst?

Frühling!

 
 www.aenkyyy.de

(Das Interview wurde bereits im März 2015 geführt.)

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