Karoline Herr: So wirklich möchte ich meinen Stil eigentlich gar nicht definieren - das limitiert doch nur!

Name: Karoline Herr
Beruf: Beautyredakteurin Print und digital für ELLE & Harper’s Bazaar Germany
Alter: 28
Wohnort: München

Die ELLE Redakteurin Karoline Herr im Vintage Fashion und Beauty Talk

Erstmal die Basics – wie bist du zu deiner jetzigen Position als Beauty Editor bei der ELLE und Harpers Bazaar Germany gekommen? Wusstest du schon immer, dass du was mit Beauty und Mode machen wolltest?

Klingt wie ein Klischee, aber ja. Welche exakten Berufsfelder es gibt, wusste ich als Jugendliche natürlich noch nicht, aber dass ich im Kreativbereich landen werde, war mir ( und wohl auch all meinen Mitmenschen ) recht früh klar. Als 4-Jährige habe ich beispielsweise Sonnenbrillen mit Nagellack bemalt und sie im Laden meines Onkels zum Kauf angeboten. Und als Berufswunsch in der 8. Klasse habe ich „Chefredakteurin“ angegeben. Damals hatte ich natürlich nur eine vage Vorstellung von der Branche und war deswegen umso glücklicher, als ich mein erstes Praktikum bei der ELLE gemacht habe und mich in meinem Plan nur bestätigt fühlte. Studiert habe ich Vergleichende Literaturwissenschaften, da ich mich bewusst gegen ein Studium an einer privaten Modeuni entschieden habe – quasi als Absicherung, für den Fall dass mir die Mode in der Realität dann doch nicht gefällt und ich ohne Probleme auch in einem anderen journalistischen Feld landen kann. Danach folgten Praktika in einer Schneiderei und in der ELLE-Redaktion. Anschließend die Beautyassistenz und schließlich die Redakteursstelle. Und da bin ich jetzt!

Du bist ja das, was man unter einer klassischen Journalistin verstehet – was ist deine Meinung zu der blühenden Bloggerkultur, die sich in den letzten Jahren etabliert hat?

Die ist ziemlich geteilt. Ich bewundere und respektiere recherchierte, professionelle und gut geschriebene Blogs (wie Journelles, The Original Copy oder Amazedmag). Die Tatsache, aber dass jeder inzwischen als Experte auftreten kann, finde ich schwierig. Aber das Gute ist ja, dass wir immer die Wahl haben. Keiner wird dazu gezwungen ein Heft oder einen Blog zu lesen. Es gibt ja auch gute und schlechte Magazine.

Beauty und Fashion gehen ja bekanntlich Hand in Hand – Welche Bedeutung hat dieses Zusammenspiel für dich persönlich?

Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Selbst wenn sich jemand zu einem Outfit gar nicht schminkt, ist das ein Statement. Make-up und Haare sind genauso wichtig wie das perfekte Accessoire. Der Look ist ohne nicht vollständig und kann mit Lippenstift, Highlighter und Eyeliner komplett die Richtung wechseln.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Hat er sich mit deinem Umzug von Berlin nach München verändert?

Ui, schwere Frage. So wirklich möchte ich ihn eigentlich gar nicht definieren. Das limitiert doch nur! Ich habe in meinem Leben wirklich sämtliche Phasen und Trends ausprobiert ( von super spießig inklusive, Perlenkette und Longchamp-Tasche bis zu All-over-Vintage inklusive Muff-Geruch der Flohmarkt-Sachen). Auch wenn ich bei Bildern aus diesen Zeiten zwischen Scham und Belustigung wanke, würde ich keine dieser Phasen missen wollen. Darum geht es doch bei Mode: Ausprobieren und schauen wie man sich damit fühlt. Und so ist es auch heute: Mal lässig, mal feminin, mal chic – ich trage was mir gefällt, bin aber null festgelegt. Manchmal renne ich jedem neuen Trend hinterher (gerade ist es Samt) und manchmal sind Leggins, Sneakers und Papas alter Cashmerepulli immer noch die beste Wahl. Berlin und München als Städte haben meinen Stil zwar nicht beeinflusst, aber sicher die Arbeit in der Modebranche. Wenn man tagtäglich von modebewussten Leuten umgeben ist und stets neue Designer und die aktuellen Runway-Looks checkt, hat das definitiv auch Einfluss auf das eigene Stilempfinden.

Was bedeutet Vintage für dich? Worin siehst du dabei den Mehrwert?

Geschichte. Mode ist zwar super schnelllebig geworden, aber ein Stück, dass schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, erzählt doch gleich etwas anderes, als das verrückte It-Piece aus der neuen Acne-Kollektion. Trends sind wichtig und machen Spaß, Klassiker allerdings verleihen Looks Referenzen und machen sie so vielschichtiger.

Mode ist sehr schnelllebig geworden – hast du Kleidungsstücke, die dir besonders am Herzen liegen und die du nie wieder hergeben würdest? Wenn ja, warum und welche?

Zu meinem Abitur habe ich eine Chanel 2.55 bekommen. Und liebe sie seitdem heiß und innig. Wenn man betrachtet, dass sich ihr Preis in diesen zehn Jahren circa verdreifacht hat, war sie das damals außerdem ein echtes Schnäppchen.

Neben den Lieblingsstücken und Evergreens in der Garderobe, findet sich doch auch mal der ein oder andere Fehlkauf im Schrank. Wie gehst du damit um und was empfiehlst du, um sowas zu vermeiden?

Ich gehe alle paar Monate auf Flohmärkte in München und verkaufe alles rigoros. Was nicht mehr angezogen wird, fliegt raus! Es gibt immer Mädels, für die mein Fehlkauf genau das Teil ist, das sie schon ewig suchen. Win-Win also. Richtige Fehlkäufe passieren mir allerdings eher selten. Ich kann recht gut und schnell entscheiden ob ich etwas mag oder nicht und ob es gut zu kombinieren ist. Aber es gibt doch hin und wieder Stücke, die sich in der Realität dann doch schlecht integrieren lassen oder einfach nur einmal getragen werden. Dann geht’s ab zum Flohmarkt und mit dem verdienten Geld erfüll ich mir kleinere Wünsche, wie eine neue APC Tasche. Einen allgemeingültigen Tipp um Fehlkäufe zu vermeiden, habe ich allerdings nicht. Natürlich sollte man sich jeden Kauf vorher gut überlegen, aber irgendwie ist Mode doch etwas Instinktives. Und wenn man in diesem einen Moment schockverliebt war und erst zuhause feststellt, dass man wohl kurzzeitig geschmacksblind gewesen ist, dann gibt es doch tolle Optionen, die Teile wieder loszuwerden. Shit happens!

Was sind deine Lieblingsmodelabels und wer dein absolutes Fashion-Vorbild?

Schwere Frage. Auch hier lege ich mich ungerne fest. Mal gefällt mir der Look eines Labels in einer Saison sehr, mal wieder gar nicht (siehe Balenciaga). Aber zeitlos und begehrlich sind für mich auf jeden Fall Chanel, Saint Laurent, Celine und seit kurzem auch Gucci. Aber die großen Labels dienen ja hauptsächlich der Inspiration. Gekauft wird bei Asos, Zara, Topshop oder Edited. Auch ein Vorbild gibt es keins, aber wen ich für ihren Stil sehr bewundere ist Pernille Teisbaek.

Welche Beauty- und Modetrends dieser Saison findest du furchtbar und welche willst du unbedingt noch selbst ausprobieren?

Wie bereits erwähnt bin ich gerade vollkommen verrückt nach Samt. Aber auch von Gucci inspirierte Looks (z.B. Pink all over), Camisolen und Slip Dresses über Blusen oder Brokat stehen derzeit bei mir auf der Einkaufsliste. Die neuen angesagten Funktionsjacken und Hiking-Boots lasse ich aber diese Saison wohl eher aus.

Was ist das wichtigste, was du im Laufe deiner Beauty- und Modekarriere gelernt hast?

Dass es kein Wundermittel für Schönheit gibt und dass jeder sie anders wahrnimmt. Deshalb predige ich immer: ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren. Das mag im ein oder anderen Fail enden, aber wenn man den mit Humor nimmt, hat man wieder was gelernt. Es gibt in Sachen Beauty oder Mode kaum etwas, das ich nicht ausprobieren würde.

Und zum Schluss – ganz schnell:

  1. Röcke oder Hosen?
Hosen. Ganz klar! Ich finde Röcke und weibliche Silhouetten an anderen Frauen wahnsinnig schön – an mir allerdings gar nicht.
  2. Lippenstift oder Wimperntusche?
Lippenstift! Und zwar nicht nur, weil ich sowieso Wimpernextensions trage. Wenn ich mal keinen knalligen Lippenstift trage, fragen mich meine Kolleginnen schon ob ich krank bin.
  3. Brad Pitt oder George Clooney?
Keinen von beiden. Lieber Ryan Gosling bitte. Danke!
  4. Over- oder underdressed?
Ich wäre gerne einer dieser Menschen, der immer lässig aussieht. So als hätte er nur schnell was übergeworfen und trotzdem großartig aussieht. Aber nein: Ich bin wohl das ein oder andere Mal eher overdressed. Whatever!
  5. Nie wieder abschminken oder nie wieder Zähneputzen?
Sorry an meinen Zahnarzt, aber: Nie wieder Zähneputzen. (Zahnseide und Kaugummis tun es im Zweifel auch) Aber Abschminken ist Pflicht. Als Beautyredakteurin bin ich mir bewusst wie wichtig die tägliche Reinigung und Pflege ist und absolviere meine zehn Pflegschritte am Abend selbst im größten Rausch.
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